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GOTS, OEKO-TEX, Fairtrade: Was bedeuten Textilsiegel wirklich?

Drei Siegel, drei völlig unterschiedliche Prüfbereiche — hier erfährst du, welches wofür steht.

Von Dr. des. Salih Günay(Digitalmedien-Forscher & Gründer)Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 20265 Min. Lesezeit
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Dr. des. Salih GünayDigitalmedien-Forscher & Gründer

Dr. des. Salih Günay verantwortet die redaktionelle Ausrichtung von ReCircle Market. Er promovierte im Bereich Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt und hat beruflichen Hintergrund im Media Buying sowie in der KI-gestützten Marktanalyse.

Drei Siegel, drei völlig unterschiedliche Prüfbereiche — hier erfährst du, welches wofür steht.

Was testet OEKO-TEX Standard 100 genau? OEKO-TEX Standard 100 gibt es seit 1992 und ist eines der bekanntesten Textilsiegel weltweit. Es prüft das **fertige Produkt** — inklusive Knöpfe, Nähfäden und Drucke — auf über 100 gesundheitsschädliche Substanzen wie Schwermetalle, Pestizide und Formaldehyd. Die Grenzwerte sind gestaffelt: Am strengsten sind sie für Babykleidung, die den intensivsten Hautkontakt hat.

Wichtig zu wissen: OEKO-TEX Standard 100 sagt **nichts** darüber aus, ob die Fasern biologisch angebaut wurden oder wie die Arbeitsbedingungen in der Produktion waren. Es geht ausschließlich um Schadstofffreiheit im fertigen Textil.

Was deckt GOTS ab, was OEKO-TEX nicht abdeckt? GOTS (Global Organic Textile Standard) gibt es seit 2002 und gilt als eines der umfassendsten Textilsiegel. Anders als OEKO-TEX prüft GOTS nicht nur das Endprodukt, sondern die **gesamte Produktionskette**: - Biologischer Anbau der Fasern (kein Gentechnik-Einsatz, keine Pestizide) - Verbot bestimmter schädlicher Chemikalien in der Verarbeitung - Faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen - Keine Kinderarbeit - Abwasserbehandlung bei nasschemischen Prozessen

Für die Kennzeichnung "aus biologischem Anbau" müssen mindestens 95 % der Fasern aus Bio-Anbau stammen, für "hergestellt mit biologischen Materialien" mindestens 70 %. Ein weiteres Detail: Auch vorgelagerte Schritte wie Druckfarben müssen GOTS-zertifiziert sein — sonst verliert das Endprodukt die Zertifizierung.

Wofür steht Fairtrade? Fairtrade zielt vor allem auf faire Preise für Produzent:innen sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen und den Ausschluss von Kinderarbeit ab. Anders als GOTS ist Fairtrade **nicht speziell auf biologischen Anbau ausgerichtet** — ein Fairtrade-Produkt kann, muss aber nicht aus Bio-Fasern bestehen.

Was ist der Grüne Knopf? Der Grüne Knopf ist Deutschlands erstes staatliches Textilsiegel, eingeführt 2019 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Es handelt sich um ein Meta-Siegel: Unternehmen müssen bereits über andere anerkannte Zertifizierungen wie GOTS, Fairtrade oder OEKO-TEX verfügen, um den Grünen Knopf zu erhalten.

Können mehrere Siegel gleichzeitig gelten? Ja, das ist sogar üblich. Ein Textil kann zum Beispiel gleichzeitig GOTS- und OEKO-TEX-zertifiziert sein — GOTS deckt dann Bio-Anbau und Arbeitsbedingungen ab, OEKO-TEX bestätigt zusätzlich die Schadstofffreiheit des Endprodukts. Für besonders empfindliche Haut (z. B. bei Babys) gilt die Kombination beider Siegel oft als sinnvollste Wahl.

Häufig gestellte Fragen

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